Bei der Generalversammlung des Eishockeyverbandes kommt es am 27. Juni in Villach zur Wahl des neuen Präsidiums. Antreten wird auf der einen Seite das Team von Gernot Mittendorfer (aktueller ÖEHV-Präsident) und das Team von Klaus Hartmann (Herausforderer). Hier finden Sie nun das ausführliche Interview mit Klaus Hartmann, das Interview mit Gernot Mittendorfer gibt es HIER ZUM NACHLESEN.

Dr.Klaus Hartmann wird als Gegenkandidat zur ÖEHV-Wahl antreten. Der 60-Jährige ist derzeit Vizepräsident beim KEHV (verantwortlich für Finanzen, Recht & Versicherungen) sowie Jurist, Versicherungsmakler und Unternehmer. „Ich trete nun als Kandidat an, weil ich nach zahlreichen, sehr intensiven Gesprächen mit Funktionären, Spielern(innen), Fans, Sportjournalisten, Sponsoren u. a. den Eindruck gewonnen habe, dass der Reformdruck auf den ÖEHV seitens der Landesverbände und Mitgliedsvereine, sowie etlichen Funktionären im ÖEHV selbst immer größer wird und es höchst an der Zeit ist, die tollen von einer breiten Basis getragenen aufwendig erarbeiteten Zukunftskonzepte endlich umzusetzen. Mir persönlich geht es aber nicht um den Titel sondern nur ums Eishockey. Ich hätte es schlimm gefunden, wenn sich keine Oppositionsliste der Wahl gestellt hätte. Denn wer unzufrieden ist, der muss auch den Mut und die Energie aufbringen, es selbst besser zu machen oder mit seiner Kandidatur zur Verbesserung beizutragen. Konkurrenz wirkt ja belebend. Nachdem mir in vielen Gesprächen die Kandidatur ans Herz gelegt wurde, habe ich gesagt: Wenn Ihr glaubt, dass ich der Richtige bin, dann mache ich es“, so Hartmann.

Die gesteckten Ziele
„Das Wichtigste für uns ist auch eine mittel- und langfristige Planung, die sich auf drei bis vier Olympiazyklen erstreckt. Denn ein Kind, das heute anfängt, Eishockey zu spielen, kann Österreich in 16 Jahren bei einem Großevent vertreten. Dazu setzen wir viel mehr auf Eigenverantwortung – jede Person, die für den ÖEHV arbeitet, wird in einem bestimmten Rahmen Entscheidungsbefugnisse erhalten und den Weg zum vorgegebenen Ziel selbst bestimmen können. Weiters werden wir über unsere Komitees Expertenteams zusammenstellen, die sich um einzelne Themenbereiche kümmern. Wir wollen die Philosophie dahingehend verändern, dass wir für die gesamte Eishockeyfamilie da sind. Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Para-Eishockey, für Breiten und Spitzensport. Wir wollen einbinden statt ausgrenzen und nehmen deshalb auch jede Stimme ernst. Dazu wollen wir viel mehr auf Recruitment setzen, möglichst viele Leute zum Eishockey bringen. Sowohl in diesen, als auch in anderen Bereichen gilt es, die Vereine in ihrer Arbeit zu unterstützen mit Kampagnen, Symposien,… Denn nur mit einer viel größeren Basis an gut ausgebildeten SpielerInnen können wir langfristig Erfolg haben.“

Die Unterstützung von anderen Landesverbänden und auch Vereinen ist groß, wie auch Hartmann gegenüber Ring Sports bestätigt. „Ja, wir erhalten ausgesprochen viel Unterstützung. Von Landesverbänden, Vereinen und anderen Personen, die mit Eishockey zu tun haben. Ich denke, dass der Reformdruck, über den ich bei der ersten Frage gesprochen habe, einfach immer größer wird.“

Ein Kritikpunkt ist die Doppelfunktion von Roger Bader. „Aus unserer Sicht sind die Ämter Sportdirektor und Teamchef einfach nicht kompatibel. Das geht schon beim Interessenskonflikt los, zudem sind die Ämter zeitlich gar nicht vereinbar. Während den IIHF-Breaks sind ja alle Nationalteams immer gleichzeitig unterwegs. Das ist aber unabhängig von der Person. Mit Herrn Bader werden wir auf jeden Fall Gespräche führen, wenn wir von der österreichischen Eishockeyfamilie den Auftrag zur Gestaltung bekommen werden.“

Punkteregel sorgt für Chancengleichheit
Immer wieder gibt es Kritikpunkte an der Punkteregel in der bet-at-home Liga, wobei Hartmann und sein Team hier auch positive Ansätze sehen. Trotzdem will man Gespräche führen. „Grundsätzlich halte ich eine Punkteregelung für die Wahrung der Chancengleichheit und zum Ausgleich unterschiedlichster Kapitalausstattungen der Vereine für sinnvoll. Im Detail müssen wir aber vor allem unter Berücksichtigung der Zielsetzungen des Nationalteams noch mit allen Beteiligten intensive Gespräche führen. Denn mir tut es für jeden österreichischen Spieler leid, der mit 24 die Perspektive in der ersten Liga verliert. Ich bin gut vernetzt im Eishockey und weiß aus vielen Gesprächen, wie schwierig es für die jungen Spieler geworden ist. Aber es gibt für jedes Problem eine Lösung und die müssen wir gemeinsam anstreben.“

Der Vertrag mit der Liga läuft aus. Wird man versuchen die 1.Liga wieder selbst zu veranstalten oder ist eher das Ziel, weiterhin eine Kooperation einzugehen? „Wir stellen eine prinzipielle Eigenständigkeit der Liga nicht in Frage, weil das auch mit unserer Philosophie kompatibel ist. Wir sind aber auch überzeugt davon, dass wir gemeinsam das eine oder andere verändern müssen, um „unseren optimalen österreichischen Weg“ zu finden. Dies kann aber nur GEMEINSAM funktionieren. Deshalb werden wir auch den Vertrag, der ohnehin im Juli 2021 ausläuft, genaustens evaluieren, uns mit allen betroffenen Vereinen sowie auch den Ligaverantwortlichen persönlich zusammensetzen, um gemeinsam die beste Lösung für Österreichs Eishockey zu finden.“

Ist eine A-WM der Herren realistisch?
Viele Fans hätten gerne wieder eine A-WM in Österreich. Doch ist so eine WM möglich?“Ich nehme an, Sie sprechen von einer A-WM der Herren. Das wäre natürlich prinzipiell sehr interessant, wobei es momentan aber hauptsächlich daran scheitert, dass wir keine Stadien in dieser Größenordnung haben. Eine sehr interessante Herausforderung wäre es aber mit Sicherheit. Und abgesehen davon: unser Ziel sollte es auch sein, andere Weltmeisterschaften (Herren 1A, Damen, Herren U20, Damen U18, Herren U18,…) nach Österreich zu bekommen – denn jede dieser Veranstaltungen hilft uns, Werbung für unseren Eishockey in Österreich zu machen.“

Die ersten Schritte als ÖEHV-Präsident? „Mit allen Angestellten und auch den Funktionären des Verbandes , die uns, aus welchen Gründen auch immer nicht ihre Stimme gegeben haben ein Gespräch führen, um dann gemeinsam einen Weg für die notwendigen Veränderungen zu finden und in eine positive Eishockeyzukunft zu gehen.“

Der Hauptsitz wird übrigens auch in Zukunft in Wien bleiben.

ring-sports.at

Hintergrundbild: U.S. Air Force photo by Edward Aspera Jr. / Public domain / WIKIMEDIA