16.10.2020, Eishalle Linz, AUT, ICE, Black Wings 1992 vs Bratislava Capitals, im Bild Luka Gracnar (BWL) vs Lukas Bohunicky (Bratislava). Bild: fodo.media/Dostal

Wir haben uns exklusiv mit Luka Gracnar unterhalten. Der in Jesenice geborene Goalie spricht dabei über die Punkteregelung, warum er als „Wahlösterreicher“ immer noch keinen österreichischen Pass besitzt, gibt auch Einblick über die Save Percentage eines Goalies, die CHL Auftritte mit Salzburg und hofft auf einen Verbleib in der ICEHL.

Luka Gracnar spielt für das slowenische Nationalteam und bereitet sich aktuell für die nächste Saison vor. Seit seinem 16. Lebensjahr lebt der heute 27-Jährige in Österreich. Schon im ganz jungen Alter von nur 17 Jahren debütierte Gracnar in der ICE (vormals EBEL) für Red Bull Salzburg.

SALZBURG,AUSTRIA,22.DEC.15 – ICE HOCKEY – EBEL, Erste Bank Eishockey Liga, EC Red Bull Salzburg vs EV Vienna Capitals. Image shows Macgregor Sharp (Capitals), Pehr Ledin (EC RBS), Rafael Rotter (Capitals) and Luka Gracnar (EC RBS). Keywords: netcam. Photo: GEPA pictures/ Felix Roittner – For editorial use only. Image is free of charge.

Die Punkteregel und das Problem mit der Staatsbürgerschaft
Luka Gracnar hätte eigentlich nach so vielen Jahren, die er schon in Österreich lebt, Anspruch auf den österreichischen Pass. „Ich habe bereits vor einem Jahr einen Antrag gestellt. Es dauert alles sehr lange, es werden die Akten überprüft. Man muss einen Haufen Dokumente vorlegen. Das Verfahren läuft aktuell noch, aber es sieht aufgrund drei Verwaltungsstrafen – genauer gesagt Radarstrafen, nicht so gut aus. Österreich ist da sehr streng.“ Ausserdem denkt er über die Punkteregelung nach: „Generell ist die Punkteregel genau so wie eine klassische Ausländerlimitierung von EU-Bürgern in EU-Ländern gegen das EU-Arbeitsrecht. Gutes Beispiel dafür ist der Fussball – dort wird sich an die Regeln gehalten. Aber das ist natürlich ein anderes Thema. Ich verstehe natürlich, dass der Verband und die Liga die Österreicher zugunsten des Nationalteams fördern wollen. Aber ich finde es sollte Regeln geben, wo die Leute wie ich, die eine gewisse Zeit in Österreich wohnen, aber keinen Pass besitzen, trotzdem als Einheimische zählen sollten. Österreich ist mein Zuhause. Ich bin mit 16 als Jugendlicher hierher gekommen, bin da aufgewachsen, habe hier mein Leben aufgebaut und will natürlich da bleiben. Am Arbeitsmarkt bin ich allerdings als Ausländer adressiert und das ist meiner Meinung nach nicht ganz fair. Als ich damals nach Österreich gekommen bin, gab es mal die Regel: Wenn man 5 oder waren es 7 Jahre in Österreich spielt, gilt man automatisch als Österreicher. Und dann wurde das aufgrund des Nationalteams strenger gemacht und man musste bis zum 18. Lebensjahr 3 Jahre spielen, um Eishockey-Österreicher zu sein. Das ging sich bei mir genau wegen einem Jahr nicht aus,“ klärt der Torhüter auf. Gracnar macht auch noch klar, dass er mit dem Staat Slowenien im Prinzip nichts mehr zu tun hat, abgesehen von dem Besitz der Staatsbürgerschaft. „Natürlich bin ich stolzer Slowene und ich habe noch viele Freunde dort, mit denen ich Dinge unternehme. Aber mein Lebensmittelpunkt ist Österreich.“ Die ganze Problematik über die Liga abzuwickeln wurde von Seiten Gracnar’s noch nicht probiert, er sieht da aber keine wirkliche Chance: „Regel ist Regel. Ich glaube, dass der österreichische Eishockeyverband da ein Problem damit hätte, weil ich vermutlich dann einem gebürtigen Österreicher einen Platz wegnehmen könnte.“ meint Gracnar schmunzelnd.

Leichter als Österreicher in der ICE

Auf alle Fälle wäre es leichter mit einem österreichischen Pass einen Job zu finden als es mit dem slowenischen Pass und somit als Import ist: „Natürlich hätte ich als Österreicher mehr Optionen. Ich würde statt der 4 Punkte nur 2 Punkte zählen. In Slowenien zum Beispiel kannst du nicht als Profi Eishockey spielen. Jetzt wagt Laibach wieder einen Schritt und das ist auch gut so und bietet Optionen für junge Spieler. Aber das ist nur eine Mannschaft – es gibt keine anderen Optionen. Entweder du spielst dort oder nicht. Die restlichen Mannschaften in Slowenien sind Semi-Profi-Teams – das ist für österreichische Verhältnisse amateurmäßig. So zu sagen bin ich dann überall Ausländer, wenn ich profimäßig Eishockey spielen will. Als Ausländer kannst du dir keine durchschnittliche Saison leisten, sonst bist du weg. Wenn du als Österreicher mal eine etwas schlechtere Saison hast, dann gehst halt woanders hin und beweist dich neu. Da kann man sich dann wieder raufkämpfen. Spiele ich eine schlechtere Saison in Österreich bin ich weg und kann mich in niedrigeren Ligen in Europa wieder neu beweisen. Als Tormann ist es noch schlimmer. Ich würde als Österreicher 2 Punkte kosten, als Legionär 4 Punkte. Bei den Feldspielern zählen die guten Österreicher auch 3 – 3,5 Punkte – da ist der Unterschied zum Import nicht mehr so groß,“ so Gracnar zur Punkteproblematik.

Zukunft in der ICE

Derzeit hat Luka Gracnar noch keinen genauen Plan wie es um seine Zukunft steht. „Es ist alles noch in der Anfangsphase. Natürlich rede ich mit ein paar Vereinen, aber es ist aktuell noch nichts Konkretes.“ Weiter fügt er hinzu: „Ich würde gerne in der Liga bleiben, aber es muss alles passen. Um jeden Preis bleibe ich nicht hier. Ich bin jetzt in meinen besten Jahren angekommen und habe noch die Chance auf eine gute Zukunft. Ich werde schauen was am besten für meine Karriere ist, besser wäre es aber in der ICE. Aber wir werden sehen was die Zukunft bringt,“ gibt sich Gracnar optimistisch.

Black Wings

Luka Gracnar hat die vergangene Saison bei den Black Wings in Linz absolviert und es hat ihm dort auch gefallen. Er glaubt jedoch nicht, dass er für die kommende Saison ein ernsthaftes Thema war. „Es war offen,aber ich glaube sie haben sich von Anfang an am Markt umgesehen und ich glaub nicht, dass ich für Linz erste Option war. Ich habe mich mit Baumi (Anm. GM Gregor Baumgartner), Ceman, Szücs und Penks (Anm. Goalietrainer Jürgen Penker) super verstanden und es war unglaublich. Aber es sind dann einfach sportliche Entscheidungen, die die Verantwortlichen treffen müssen und das hat nichts mit dem Persönlichen zu tun und ich muss das respektieren. Sie sind dafür verantwortlich und müssen für ihre Entscheidungen auch die Konsequenzen tragen. Natürlich habe ich gehofft, dass eventuell von den Black Wings was kommt, aber so ist der Sport,“ so die Worte Gracnar’s.

Olimpija Ljubljana

Gracnar freut sich natürlich über den Wiedereinstieg der Drachen, glaubt aber nicht dort aufzulaufen. „Es gibt kein ernsthaftes Interesse. Aber so wie ich die Verhältnisse dort kenne, hätte das wahrscheinlich sowieso nicht geklappt.“ Somit wird Gracnar auch in der Saison 2021/22 als Legionär auflaufen und nicht für ein slowenisches Team den Kasten hüten.

Save Percentage

Die letzten 10 Saisonen kam Gracnar bei keinem Team auf eine Fangquote von unter 90% und man sieht die Konstanz über so viele Jahre deutlich. Für den gebürtigen Slowenen spielen bei der Fangquote aber mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle. „Man braucht natürlich immer eine gewisse Anzahl an Spielen, um die Save Percentage richtig zu werten. Es ist eine reine Nummer. Die Nummer sagt nicht viel aus. Man muss die Statistiken lesen können und interpretieren können. Erst dann kann man viel dazu sagen. In Innsbruck war meine Quote zum Beispiel knapp über 90%, das ist ein unterdurchschnittlicher Wert in der Liga. Aber man muss sich ansehen, was dein Partner-Tormann hatte oder die Goalies in den Saisonen davor und danach. Es gelingt nicht oft, dass man über 90% Fangquote kommt und gleichzeitig unter 3 Goals Against Average aufweisen kann. Rene Swette ist das heuer gelungen und das spricht für die super Saison von ihm. In Innsbruck ist es für einen Tormann nicht einfach. Obwohl ich dachte, dass es am System liegt hat sich mit dem neuen Coaching-Staff in Bezug auf Defensive nicht viel geändert. Ich weiß auch nicht genau, woran es liegt. Eine sehr entscheidende Komponente ist aber, dass die Torschüsse in Innsbruck sehr niedrig geschrieben werden. Ein großer Faktor, den auch Armin Biedermann bereits öfters erwähnt hat. Tatsächlich ist es zwischen den Hallen wo wenig geschrieben wird (zu denen zählt auch Innsbruck) und wo mehr Torschüsse geschrieben werden ein großer Unterschied. Mit vielen Schüssen ist die Chance meiner Meinung nach höher eine gute Save Percentage zu erreichen, weil die Shots on Goal nicht mit den Scoring Chances exponentiell wachsen und man als Tormann immer im Rhythmus bleibt. Fazit: Save Percentage sagt nicht viel aus – man muss es lesen können und um es richtig zu evaluieren in die Deep Analytics blicken,“ so Gracnar.

TAMPERE,FINLAND,01.SEP.17 – ICE HOCKEY – CHL, Champions Hockey League, group stage, Tappara Tampere vs EC Red Bull Salzburg. Image shows Luka Gracnar (EC RBS). Keywords: goal. Photo: GEPA pictures/ Florian Ertl – For editorial use only. Image is free of charge.

Red Bull Salzburg

Mit 16 Jahren ist Gracnar bereits nach Salzburg gekommen und hat dort sein Zuhause gefunden. „Salzburg ist meine Heimat. Es ist mein Verein, meine Stadt.“ Ring Sports wollte von Gracnar hören, welches seine schönste Erinnerung an Red Bull Salzburg ist: „Ich habe nur schöne Erinnerungen. Das ist eine Top Organisation, die man sich nur wünschen kann. Man wird als Spieler super behandelt. Es ist sehr menschlich. Ich sehe das wahrscheinlich etwas durch die Vereinsbrille, aber es ist einfach super dort. Die Meistertitel 14/15 und 15/16 waren sicher das Highlight. Wir waren wie eine große Familie und stehen noch immer viel in Kontakt. Der Stamm (Trattnig, Latusa, Welser, Raffl, Heinrich, Pallestrang, Rauchenwald, Cijan, Hughes, Duncan) wurde nicht oft gewechselt und wir spielten teilweise 5,6,7 Jahre zusammen und da wächst man zusammen. Immer wenn ich in Salzburg bin, treffe ich mich auch mit den Leuten.“ blickt er auf eine tolle Zeit zurück.

SALZBURG,AUSTRIA,31.OCT.17 – ICE HOCKEY – CHL, last sixteen, EC Red Bull Salzburg vs Vaexjoe Lakers. Image shows Luka Gracnar (EC RBS) and Nils Carnbaeck (Vaexjoe). Photo: GEPA pictures/ Felix Roittner – For editorial use only. Image is free of charge.

Champions Hockey League

In jungen Jahren durfte Luka Gracnar auch schon CHL-Luft schnuppern und brachte es für Red Bull Salzburg auf 17 Spiele gegen Europas Creme de la Creme. „Die Champions Hockey League war eine super Erfahrung und es war sehr cool, sich mit Top Mannschaften zu messen. Wir waren im Grunde auch sehr erfolgreich – mal etwas besser, dann wieder etwas schlechter. Der Trip nach Lulea war sicher mega, da war ich leider verletzt. Zuhause haben wir 3:1 gewonnen, aber leider haben wir es dann gegen das schwedische Topteam noch aus der Hand gegeben. Interessant war auch, dass wir 3x in Serie in einer Gruppe mit HV71 Jönköping waren. Jedes Jahr sind wir dorthin gereist, haben dann auch schon alles gekannt. Die Eishalle, den Ort – es war schon ein jährlicher Ausflug nach Schweden. In besonderer Erinnerung bleibt natürlich auch das erste Jahr in der CHL. Da wurden wir Gruppenerster in einer starken Gruppe mit HV71, JYP und den Kloten Flyers. Damals war ich glaub ich erst 21 Jahre alt – es war super und ist eine bleibende Erinnerung.“

Slowakei, Norwegen und die ICE

Nach 8 Saisonen bei Red Bull Salzburg wurde der Vertrag des Goalies damals nicht mehr verlängert. Gracnar erzählt uns genau wie es dann zum Engagement in der Slowakei kam: „Mein Vertrag in Salzburg wurde nicht verlängert und ich habe den ganzen Sommer gewartet. Aber irgendwie kamen keine Angebote und dann war es bereits August und ich musste irgendwas tun. Der HK Poprad hat damals einen Tormann gebraucht und ich habe zugesagt. Ich unterschrieb aber nur mit einer Ausstiegsklausel und bin dort hingegangen, um zu trainieren und zu spielen und in Spielpraxis zu bleiben. Ich habe aber die ganze Zeit gewartet, bis sich etwas ergibt und schlußendlich bin ich in Innsbruck gelandet. Insgesamt war ich nur 2-3 Monate in der Slowakei,“ blickt Gracnar auf die damalige Zeit zurück. Die Unterschiede der höchsten Spielklassen in der Slowakei, Norwegen und der ICE erklärt er wie folgt: „Die slowakische Liga ist sehr nah an der ICE dran. Durch die Rückkehr von Slovan Bratislava und den Aufstieg von Dukla Michalovce, das ist ein Klub der viel Kohle hat, kommt die Liga nahe ran. In der ICE gibt es etwas mehr individuelle Qualität, die Imports sind etwas renommierter. Im Durchschnitt haben die Vereine in Österreich etwas mehr Geld. Ich war aber sehr positiv überrascht – es ist eine gute Liga. Die norwegische Liga hat mich im Gegensatz etwas negativ überrascht. Norwegen ist eine fixe A-Nation, da dachte ich, die Liga ist auch stärker. Auf unsere ICE-Liga ist es aber schon ein größerer Sprung. Ich sehe das natürlich aus Tormann-Sicht. In der ICE zählt oft die Offensive, es wird mit viel Skill nach vorne gespielt. In Norwegen fehlt das etwas – es hängt aber natürlich auch damit zusammen, dass dort nur 5 oder 6 Imports erlaubt sind. Das ist im Schnitt die Hälfte wie in Österreich bei den Teams unter Vertrag stehen. Und es wird in Norwegen nicht so gut für Imports bezahlt, das heißt sie können sich die Top-Imports auch nicht leisten. Die Liga ist auch mehr gespalten – es gibt 2-3 Vereine, die um den Titel spielen, dann ein paar, gegen die kann man an einem schlechten Tag verlieren und die unteren sind schon eher limitiert. Aber es gibt dennoch gute Ausländer dort, die man dann zum Beispiel nach Österreich holen kann wie Tony Cameranesi, der war mein Teamkollege in Storhamar, oder Braden Christoffer und Daniel Ciampini. Es gibt schon sehr gute Spieler, aber nicht in so einem Ausmaß wie bei uns. Die ICE ist viel dichter. Aber es war eine schöne Zeit in Storhamar -mir hat es getaugt. Es ist eine Eishockey-Stadt, wie das Klagenfurt von Norwegen. Eine kleine Stadt, wo für jeden Menschen Eishockey zählt. Es ist cirka 100km nördlich von Oslo gelegen, an einem großen See. Das Leben dort ist sehr ruhig, die Leute haben mehr Zeit und weniger Stress,“ gibt Gracnar Einblick.

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