Er ist Österreichs größte NHL-Hoffnung und stand bis zuletzt bei den Ottawa 67´s unter Vertrag. Nun möchte Rossi den nächsten Schritt gehen und der 18-Jährige stellte sich auch exklusiv den Fragen vom RH-Magazin. Ein Bericht von Benjamin Grundauer.

Marco Rossi startete heuer in seine zweite Saison in der Ontario Hockey League (OHL). Dabei konnte der Angreifer bereits in der ersten Saison voll aufzeigen, brachte es in 70 Partien auf starke 35 Tore und 52 Assists. Damit konnte der Vorarlberger auch beweisen, dass er zu den stärksten Spielern in der kanadischen Junioren-Liga zählt.

Ottawa performte und erreichte auch völlig verdient das Finale und das heurige Ziel war ebenfalls klar. „Wir standen letztes Jahr bereits im Finale, heuer wollen wir noch mehr“, so Rossi, der damit natürlich den Titel meinte. Aus diesem Vorhaben wird nun leider nichts, denn auch die OHL wurde vorzeitig aufgrund des Virus beendet. Auch für ihn selbst bedeutete es nach der letztjährigen Rookie-Saison, mehr Verantwortung zu übernehmen. „Ich wollte heuer mehr Leadership übernehmen und das ist mir auch relativ gut gelungen.“

Mit Tye Felhaber hat der stärkste Spieler die 67’s in Richtung AHL (Texas Stars) verlassen. Das bedeutete für Rossi aber nicht unbedingt mehr Druck.

„Nein, mehr Druck spürte ich deshalb nicht. Ich konnte letztes Jahr viel Erfahrung sammeln und wusste, was mich erwartet.“

Rossi ist generell sehr ruhig und weiß genau was er will, dafür arbeitet der 18-Jährige auch sehr hart. Zu Saisonbeginn musste er nach einem Check eine 5-Spiele andauernde Sperre absitzen. „Das war eine sehr schwere Phase für mich. Diese fünf Spiele fühlten sich an wie zwei Monate. Ich bin aber positiv geblieben und mein Comeback ist sehr positiv verlaufen.“

„Mein Ziel ist die NHL und dafür werde ich auch weiterhin hart arbeiten“

Andre Tourigny (Anm.Red. Trainer der Ottawa 67’s) hat Rossi aufgrund seines Skillsets und auch seiner defensiven Leistung mit dem früheren #1 Pick Nico Hischier verglichen. 

„Ich sehe das anders. Er hat in einer anderen Liga gespielt und er ist auch ein völlig anderer Spielertyp. Ich will mich auf mich selbst konzentrieren und nicht auf andere schauen“, so die klare Antwort des Österreichers.

NHL-Draft steht vor der Tür
Mit Marco Rossi könnte nach Michael Grabner & Andreas Nödl 2006 endlich wieder ein Österreicher in der besten Liga der Welt gedrafted werden. Und geht man nach den  veröffentlichten Listen, dann wird der 18-Jährige bereits früh in der ersten Runde von einem NHL-Klub gezogen. Das bedeutet natürlich auch erhöhte Aufmerksamkeit für den Österreicher.

„Der Hype um meine Person war letztes Jahr schon hoch, heuer war er aber noch um einiges höher. Es gab sehr viele Zeitungsartikel in den regionalen Medien, wobei ich mir auch in diesem Punkt keinen Druck machen werde.“

Neben der medialen Aufmerksamkeit beobachten auch einige Scouts den Angreifer. „Ich versuchte diese NHL-Draft Geschichte komplett auszublenden und mich auf meine Leistungen zu konzentrieren. Mein Ziel ist die NHL und dafür werde ich auch weiterhin hart arbeiten. Es stimmt, dass immer viele Scouts bei den Spielen anwesend sind. Diese Erfahrung habe ich aber bereits in meiner ersten Saison gemacht, somit ist das für mich nichts Außergewöhnliches.“

Abseits von der OHL verfolgt Rossi ab und zu die Erste Bank Eishockey Liga, wobei das eher selten der Fall ist, wie der Vorarlberger zugibt. „Ab und zu sehe ich Spiele der EBEL, aber grundsätzlich verfolge ich die Liga kaum.“

So schön der Erfolg des 18-Jährigen auch ist, er musste einen steinigen Weg gehen, um sein großes Ziel zu erreichen. Und wichtig ist dabei nicht nur seine persönliche Disziplin und harte Arbeit, sondern auch sein Umfeld. Und auch hier ist das nicht nur Papa Michael Rossi, der zum Beispiel bei der VEU Feldkirch unter Vertrag stand, sondern seine komplette Familie.

„Meine ganze Familie hat für mich so viel geopfert und ich bin wirklich sehr dankbar. Es war wichtig, mit 13 Jahren nach Zürich zu gehen, aber jeder aus meinem Umfeld musste hier viel Zeit opfern. Ich musste um 6 Uhr in der Früh aufstehen um zur Schule zu gehen und bin dann gegen 16 Uhr zum Training nach Zürich gefahren und war gegen 23 Uhr wieder zu Hause. Und das täglich. Mein Papa hat hier sehr viel Zeit investiert und ohne meine Familie, wären die Erfolge nicht möglich gewesen“, weiß Rossi, wem er alles zu verdanken hat.

Rossi beendete die Saison als Topscorer in der OHL, 39 Tore und 81 Assists bedeuteten am Ende 120 Punkte. Und alles blickt in ein paar Monaten (der Draft wurde aufgrund vom Virus verschoben) nach Montreal, wo der nächste österreichische Spieler von einem NHL-Klub gezogen wird. Und da sind wir uns als Redaktion mehr als nur sicher.

 

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