Sie haben wohl einen der undankbarsten Jobs auf dieser Welt und trotzdem machen sie diesen Job aus vollster Überzeugung. Die Rede ist von den Schiedsrichter-Brüdern Manuel und Kristijan Nikolic. Beide sind aus der höchsten österreichischen Eishockeyliga eigentlich nicht mehr wegzudenken, doch nun werden sich die Wege trennen. Das Brüder-Duo wird in Zukunft nämlich nicht mehr in Österreich, sondern in der Schweiz die Spiele leiten. Für die Liga selbst ist das natürlich ein großer Verlust.

Man kann über die Brüder natürlich verschiedene Meinungen haben, trotzdem zählen sie zu den besten Schiedsrichtern in Österreich. Das beweisen die verschiedenen internationalen Einsätze (Weltmeisterschaften, American Hockey League, Champions Hockey League etc.) Und nun ist es fix: Sowohl Manuel, als auch Kristijan Nikolic werden in Zukunft in der National League (höchste Liga in der Schweiz) die Spiele leiten und nicht mehr in Österreich.

Seit 8 Jahren mit dabei
Manuel Nikolic ist bereits seit der Saison 2012 Profi-Schiedsrichter in der höchsten österreichischen Spielklasse. Sein Bruder Kristijan seit der Saison 2014. Nun geht es also in die Schweiz, wo die Beiden in verschiedenen Leistungsstufen einsetzbar sind. „Es läuft in der Schweiz ein wenig anders wie bei uns in der EBEL. In der Schweiz gibt es die Leistungsstufe. Das ist die gesamte Leistungsstufe die für die Schiedsrichter vorgesehen ist. Es gibt hier innerhalb der Leistungsstufen auch noch Einteilungen, wer wo pfeift. Also zum Beispiel in der National League, NLB bis zur Junioren-Elite U20. Diese drei Ligen sind in dieser Leistungsstufe drinnen. Wir sind von der Qualität her gesehen in der höchsten Stufe eingestuft, also in der National League. Können aber auch in den anderen Ligen pfeifen, wenn zum Beispiel Not am Mann ist“, so Manuel Nikolic.

Kristijan Nikolic im Gespräch mit Salzburg´s Huber. Photo: Red Bull/GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber

Beide bleiben auf alle Fälle in Innsbruck wohnhaft. „Wir wohnen beide in Innsbruck und das wird auch so bleiben. Wir fahren immer von Innsbruck aus zu den Spielen und es wird sich nicht viel ändern. Die weiteste Strecke die wir hatten war von Innsbruck nach Fehervar, dass sind 7 Stunden. Und jetzt ist die weiteste Strecke von Innsbruck nach Genf und das sind 6 Stunden.“ Es kann aber auch passieren, dass man drei Tage hintereinander pfeifen muss. „Dann bleiben wir in einem Hotel in der Nähe.“

„Der Übertritt von der (ehemaligen) EBEL in die National League ist bereits passiert. Sobald das Sommercamp startet, gibt es dann auch den physischen Wechsel“, so Manuel Nikolic. Und wie genau hat sich ein Wechsel angebahnt? „Dadurch, dass wir letztes Jahr bereits einige Spiele gepfiffen haben, waren wir mit der Schweiz bereits in Kontakt. Und bisher waren wir hauptberuflich Schiedsrichter in Österreich. Da jetzt unklar ist, ob es aktuell noch Profischiedsrichter in Österreich gibt, haben wir uns einen Job gesucht und sind auch wieder in der Privatwirtschaft tätig, wie zuvor. Und jetzt hat sich eben die Möglichkeit ergeben, eine neue Herausforderung für uns. Und wir haben uns jetzt gesagt, warum nicht? Wir sind beide 30 Jahre alt, haben genug Erfahrung gesammelt und wagen den nächsten Schritt bzw. wollen eine neue, höhere Herausforderung angehen.“

Sommercamp für Schiedsrichter
„Was die Ausbildung anbelangt müssen wir jetzt nichts nachholen. Generell gibt es, wie in jeder Liga, ein Sommercamp wo Regelschulungen und Fitnesstests passieren. Und da wir letzte Saison bereits einige Spiele in der Schweiz hatten, haben wir hier letztes Jahr schon teilgenommen. Wir werden auch heuer das Camp besuchen. Hier wird über die Richtlinien der Liga gesprochen, Regelauslegungen usw. und es ist einfach ein Zusammenkommen und Kennenlernen untereinander“, meint Kristijan Nikolic. Aufgrund der Corona-Krise ist aktuell noch nicht abzusehen, wann das Sommercamp stattfinden wird. Meistens gibt es einen Termin im August. Parallel bereiten sich aber auch die Schiedsrichter auf die kommende Saison dementsprechend vor, wie auch Kristijan bestätigt. „Es ist jedes Jahr das gleiche im Sommer. Jetzt mit Corona vielleicht etwas spezieller, da wir nur für uns trainieren können. Sprich mit Eigengewichten, da das Fitnessstudio zu hatte. Wir spielen aber in Telfs , wo es die Ganzjahreseishalle gibt, auch Eishockey. Hier spielen wir eigentlich regelmässig zwei bis drei Mal in der Woche Eishockey. Das haben wir jetzt wieder vor drei Wochen begonnen. Es ist also ähnlich wie bei den Spielern.“

Doch als Schiedsrichter bereitet man sich nicht nur körperlich vor, sondern man studiert auch über den Sommer hinweg einige Videos. „Man sieht sich hier und da ein Spiel an, das man in der vergangenen Saison gepfiffen hat. Damit man auch gedanklich etwas dabei bleibt.“

Es gibt definitiv Unterschiede zwischen der EBEL und National League
Die Schweiz verfügt über eine der besten Ligen in Europa, doch auch die (ehemalige) EBEL bzw. bet-at-home Eishockeyliga hat in der Zwischenzeit einen sehr guten Ruf. Trotzdem hat die National League allein schon vom finanziellen Standpunkt aus gesehen, mehr Möglichkeiten. So kann man auch immer wieder ehemalige NHL-Cracks in der Schweiz bestaunen und das steigert natürlich auch die Qualität auf dem Eis. Somit gibt es auch für die Schiedsrichter einige Unterschiede im Vergleich der beiden Ligen untereinander. Kris Nikolic:“Grundsätzlich würde ich schon behaupten dass das Tempo der Liga und die Spielweise schneller ist als die EBEL. Es ist schwierig zu beurteilen, aber für mich ist die Schweizer Top-Liga etwas höher einzustufen als die EBEL. Die Regeln sind nach dem IIHF. Sie haben auch größere Stadien, mehr Zuseher.“

Einschüchtern lässt man sich deshalb aber nicht, denn beide sind von ihren Leistungen als Schiedsrichter überzeugt. „Wir haben letztes Jahr in der Schweiz bereits gepfiffen, ca. 10 bis 15 Spiele pro Kopf und von der Qualität her können wir schon sehr gut mithalten“, so Kris Nikolic.

Man freut sich auch bereits richtig auf dieses Abenteuer, wie Manuel bestätigt:“Die 15 Spiele, die wir letztes Jahr gemacht haben, waren sehr lässig und auch immer spannend. Ich freue mich richtig auf die Qualität vom Eishockey und wenn man in Bern vor 15 bis 17000 Zuseher pfeift, das ist schon ein super Feeling und auf das freue ich mich schon sehr.“

Schiedsrichter werden oft kritisiert
Wie bereits zu Beginn erwähnt, haben die Schiedsrichter auf keinen Fall einen leichten Job. Vor allem werden sie von einigen Fans sehr hart kritisiert, manchmal schreit eine komplette Halle gegen sie. Die Nikolic-Brüder können davon natürlich ein Lied singen, doch sie haben auch gelernt, damit umzugehen. „Wir als Schiedsrichter versuchen so viel wie möglich auszublenden. Wir nehmen natürlich die Stimmung und auch die Lautstärke wahr, unser Fokus ist aber dennoch am Eis und wir probieren so gut es geht unsere Ohren und Augen am Eis zu behalten. Es hängt aber auch immer davon ab, um welche Situation es sich handelt. Angenommen wir geben eine Strafe und wir sind uns ganz sicher, dass diese Strafe auch richtig ist, dann ist es uns wirklich egal ob die Halle tobt oder nicht. Auch weil wir wissen, dass das jetzt mehr oder weniger richtig war“, so die Antwort von Kris Nikolic.

Und Manuel ergänzt:“Man muss schon wissen, was man pfeift und was auch nicht. Wenn einmal ein Fehler passiert, was passieren kann, dann musst du als Schiedsrichter dazu stehen. Wir sind eben auch nur Menschen. Trotzdem muss man das dann auch gleich wieder vergessen, weil die Situation ist dann vorbei und man darf nicht zu lange darüber nachdenken. Man muss genug Selbstvertrauen haben wenn man in einer Profiliga pfeift.“

„Auf der anderen Seite ist es auch motivierend und man bekommt einen Push wenn man merkt das es laut wird. Da geht es einem Schiedsrichter genau so, wie einem Spieler“, meint Kris Nikolic noch zum Abschluss.

Kollegen freuen sich mit
Viele Personen wussten, vor diesem Interview, noch nichts vom Wechsel der beiden Brüder in die Schweiz. „EBEL-Schiedsrichter wissen es eigentlich alle. Es ist ein Mail an alle rausgegangen und die meisten haben sich gefreut. Wir haben Nachrichten und Anrufe erhalten. Über die Jahre entstehen natürlich Freundschaften und wir sehen diverse Kollegen öfters als unsere Freundinnen zuhause. Und die freuen sich natürlich für uns. Es gab also größtenteils positive Reaktionen, auch von den Kollegen aus der Schweiz.“

Manuel Nikolic im Einsatz. Photo: Red Bull/GEPA pictures/ Matic Klansek

Schiedsrichter haben Qualität
„Was viele vielleicht nicht mitbekommen ist, dass seit dem die Strukturen verändert wurden und Lyle Seitz hier ist, wir sprechen hier von den letzten sechs bis sieben Jahren, die Entwicklung sehr positiv verlaufen ist. Man kann stolz sein, dass die Liga so funktioniert wie sie funktioniert und ich glaube, dass sie eine sehr gute Zukunft hat. Viele bekommen aus meiner Sicht eben nicht mit, wie das alles im Hintergrund läuft, die Entwicklung ist durchaus positiv, auch bei den Schiedsrichtern. Das möchten vielleicht wenige hören, aber die Schiedsrichter in Österreich sind schon gut und es kommen auch gute, junge Schiedsrichter nach. Wir waren immer stolz, ein Teil der österreichischen Schiedsrichter gewesen zu sein.“

Einsätze in Österreich nicht ausgeschlossen
„Wir haben der EBEL einiges zu verdanken und es ist nicht ausgeschlossen, dass wir nicht das eine oder andere Spiel in der Liga doch pfeifen. Das wissen wir noch nicht, dass ist auch alles Vertragssache. Wir freuen uns aber auch sehr auf die Herausforderung in der Schweiz“, so Kris Nikolic. „Die Entscheidung, dass wir die EBEL verlassen ist jetzt nicht von der einen Sekunde auf die andere passiert, wir haben schon lange darüber nachdenken müssen. Wir haben der EBEL eben sehr viel zu verdanken. Wir sind froh drüber ein Teil davon gewesen zu sein. Es ist schon ein weinendes Auge auch dabei, aber die sportliche Herausforderung ist schon auch etwas Besonderes“, so Manuel Nikolic.

„Wir bedanken uns beim ÖEHV und auch der EBEL. Vielleicht pfeifen wir eben doch das eine oder andere Spiel.“

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