21.02.2017, Keine Sorgen Eisarena Linz, AUT, EBEL, Liwest Black Wings Linz vs KAC, im Bild Gerd Kragl (BWL)

Im „Interview der Woche“ spricht Verteidiger Gerd Kragl über seine ersten Berührungspunkte mit den Black Wings 1992, gibt Einblick in das Zusammenspiel mit Marc-André Dorion und verrät, was ihm an Trainer Pierre Beaulieu besonders gut gefällt. 

Gerd, du bist gebürtiger Linzer und hast alle Nachwuchsteams der Black Wings 1992 durchlaufen. Wie bist du damals auf den Eishockeysport bzw den Verein aufmerksam geworden?

Bei uns in der Familie hat eigentlich niemand Eishockey gespielt oder sich besonders dafür interessiert. Mein Vater hat damals Freikarten für ein Black Wings-Spiel bekommen und so kam ich zum ersten Mal in Berührung mit dieser Sportart. Mir hat es dann so getaugt, dass ich es selber unbedingt ausprobieren wollte. Ich habe mit acht Jahren begonnen zu spielen und habe wirklich bei Null angefangen. Ich konnte damals noch nicht mal Eislaufen.

Wann war der Zeitpunkt, als du gemerkt hast, es könnte mit einer Profikarriere klappen?

Zu Beginn war der Gedanke an eine Profikarriere noch überhaupt nicht vorhanden. Als ich zwölf Jahre alt war, bekam ich einen Anruf vom Verband und wurde in ein Camp der Jugend-Nationalmannschaft eingeladen. Von diesem Moment an war ich fixer Bestandteil der Auswahlmannschaften und von da an hat sich bei mir der Ehrgeiz entwickelt den Eishockeysport leistungsmäßig zu betreiben. Ich ging dann im Sport-Borg Honauerstraße zur Schule und konnte mich dadurch voll und ganz auf den Eishockeysport konzentrieren. Mit mir war auch Lukas Haudum in der Klasse, der ja bereits als 17-Jähriger den Sprung nach Schweden geschafft hat. Wir haben uns immer gegenseitig gepusht und unterstützt. Ich war später auch zwei Mal bei der U18-WM und der U20-WM dabei. Da habe ich gemerkt, dass eine Profikarriere für mich möglich sein kann.

Ihr habt mit Pierre Beaulieu einen neuen Trainer. Wo siehst du die gravierendsten Unterschiede im Training im Vergleich zu deinen bisherigen Trainern?

Also Pierre ist natürlich ein junger Coach und ich verstehe mich auch sehr gut mit ihm. Er will von uns modernes, also schnelles Eishockey sehen. Auch als Verteidiger müssen wir uns im Offensivspiel stärker einbringen und rotieren oft mit den Stürmen im Angriffsdrittel. Pierre ist auch selber am Eis sehr präsent, macht die ein oder andere Übung mit und überträgt sehr viel Energie auf die Mannschaft. Das pusht und motiviert uns im täglichen Training sehr. Das ist für mich der größte Unterschied im Vergleich zu älteren Trainern – er ist sehr aktiv und nah an der Mannschaft dran.

Du bildest mit Marc-André Dorion ein Verteigerpaar. Wie ist es zu dieser Zusammenstellung gekommen?

Der Trainer hat von Anfang an mit uns beiden als Verteidigerpaar geplant. Als Marc damals in Linz war, haben wir schon des Öfteren zusammengespielt. Wir beide verstehen uns privat sehr gut und sitzen auch in der Kabine nebeneinander – das wirkt sich natürlich auch auf dem Eis positiv aus. Wir reden richtig viel miteinander, sind beide eher selbstkritisch und geben uns gegenseitig Tipps. Wir unterhalten uns auch bei jedem Spiel nach einem Wechsel über die verschiedenen Spielsituationen und sprechen uns ab. So wächst man dann mit der Zeit zusammen. Mittlerweile verstehen wir uns fast blind und wissen genau, wie sich der andere im Spiel verhält.

Ihr spielt nicht immer mit denselben Angreifern in einer Linie. Macht das als Verteidiger einen großen Unterschied wer vor einem stürmt?

Es macht schon einen Unterschied ob man zum Beispiel mit erfahrenen Spielern wie Lebler, Umicevic und Hytonen am Eis steht oder in einer Linie mit jüngeren Spielern. Aber generell orientiert man sich sowieso an den verschiedenen Linien des Gegners. Da ist es klarerweise auch etwas einfacher zu verteidigen, wenn nicht die Topstürmer gegen dich antreten.   

Wie siehst du die Entwicklung der Mannschaft soweit?

Grundsätzlich ist die Entwicklung recht gut. Wir schaffen es noch nicht ganz, unser Eishockey über die volle Spielzeit aufs Eis zu bringen. Ich finde, wir haben auch im Spiel gegen die Vienna Capitals einen ordentlichen Auftritt hingelegt. Gegen Villach war es natürlich schwierig. Da haben wir zu viele Strafen kassiert und uns selbst das Momentum genommen.

Am Freitag kommt mit Rick Schofield ein alter Bekannter zurück auf die Donaulände. Wie fühlt es sich an gegen einen langjährigen Teamkollegen zu spielen?

Ich freue mich schon darauf gegen Rick zu spielen. Für mich ist das immer etwas Besonderes gegen einen alten Kollegen anzutreten, den man schon lange kennt. Mir gibt das immer eine gewisse Portion Extra-Motivation.

Du bist 23 Jahre alt und hast noch einige Jahre als Profi vor dir. Was sind deine persönlichen Karriereziele? Würde es dich auch reizen ins Ausland zu gehen?

Für jeden österreichischen Spieler ist es das große Ziel, den Sprung in eine stärkere Liga im Ausland zu schaffen. Darauf arbeitet man bereits als Jugendspieler hin, ganz egal ob das jetzt Finnland, Schweden oder die Schweiz ist. Es sind einfach neue Lebenserfahrungen, die man machen kann. Bis jetzt hat sich in dieser Richtung noch nichts bei mir ergeben. Aber für mich zählt ohnehin das Hier und Jetzt. Ich bin gut in die Saison gestartet und will mit den Black Wings erfolgreich sein. Aber wer weiß, was die Zukunft noch bringen wird.

Wie siehst du deine persönliche Entwicklung? Wo liegen deine Stärken und wo hast du noch Verbesserungspotenzial?

Meine Stärken sind auf jeden Fall das Unterzahlspiel und ganz allgemein betrachtet das Defensivspiel. Deshalb arbeite ich vor allem daran mein Offensivspiel zu verbessern. Wir haben auch in der Mannschaft individuelle Trainingsziele definiert und nützen freie Eiszeiten, um an diesen zu arbeiten.

In der letzten Saison war dir leider kein Torerfolg vergönnt. Möchtest du diese „Scharte“ ausmerzen?

Im modernen Eishockey ist man auch als Verteidiger viel mehr in der Offensive gefragt. So gesehen werden sich bestimmt Situationen ergeben, wo ich zum Abschluss komme. Und so hoffe ich natürlich, dass die Scheibe auch für mich wieder mal reinspringt (lacht). Ich spiele heuer auch deutlich mehr als in den vergangenen Spielzeiten, das wird mir helfen, um mich auch in diesem Bereich weiterzuentwickeln.

www.blackwings.at

ring-sports.at

Foto: fodo.media/Harald Dostal