Am vergangenen Sonntag ist Salzburgs neuer Stürmer Jack Skille in Salzburg eingetroffen und hat in den letzten Tagen getrennt von der Mannschaft trainiert. Heute durfte der 33-jährige Amerikaner nun erstmals gemeinsam mit zwei seiner neuen Teamkollegen gemeinsam aufs Eis und hat es sichtlich genossen. Wir haben ihn nach dem Training zu einem Interview gebeten.


Jack, Willkommen in Salzburg und bei den Red Bulls. Wie ist es, zurück auf dem Eis zu stehen?

Das macht natürlich extrem Spaß und Lust auf mehr. Es ist immer schön neue Menschen und neue Mitspieler kennen zu lernen. Klar, man wünscht sich schon ein Mannschaftstraining, aber da hatten ein paar fitte Spieler heute ihren freien Tag. So stand ich das erste Mal mit JJ (Peterka) und Nico (Feldner) auf dem Eis. Mit den zwei Jungen war es schon super, gerade wenn man sieht, was die Burschen draufhaben.

Wie war der Sommer und die Vorbereitung für dich, nach dem abrupten Saisonende mit Nürnberg kurz vor den Playoffs?

Bevor es für mich nach Nürnberg ging, hatte ich eine schwierige Zeit in der Schweiz. Aber in Nürnberg, so rund um die Weihnachtszeit, als mein Sohn (erstes Kind von Jack) auf die Welt kam, kam auch meine Liebe zum Eishockey wieder zurück. Ich bekam auch die Möglichkeit eines 2-Jahresvertrags in Nürnberg, daher wusste ich im Sommer, dass ich im Herbst wieder Eishockey spielen werde. So war die Vorbereitung und die Off-Season nie ein Problem für mich, auch wenn die Zeit schließlich etwas länger dauerte als es mir lieb war.

Du hast zehn Jahre NHL am Buckel und 374 Spiele in der besten Liga der Welt absolviert. Die letzten drei Saisonen hast du in Europa in drei verschiedenen Ligen verbracht – würdest du sagen, du würdest die größere Eisfläche in Europa bevorzugen?

Das Spiel weist schon große Unterschiede auf den jeweiligen Eisflächen auf. Offensiv hat man in Europa mehr die Möglichkeit, sich Platz für freue Räume zu schaffen. Man hat einfach generell mehr Zeit und auch das Eislaufen ist ein wichtiger Aspekt für die Spieler. Ich würde sagen, dass mir meine eisläuferischen Fähigkeiten hier in Europa helfen. In der NHL, auf der kleinen Eisfläche, ist das Spiel viel strukturierter und vorhersehbar. Ich würde sogar sagen es ist etwas langweiliger. Dafür hat man in Europa auch mehr Platz für Kreativität. Bevorzuge ich es? Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht, denke aber, dass ich mich daran gewöhnen werde.

Hast du schon Zeit gehabt mit Taylor Chorney zu quatschen, mit dem du Gold bei der U18-Weltmeisterschaft geholt hast?

Ich erinnere mich noch flüchtig daran, aber ich muss sagen, dass ich öfters gegen Taylor gespielt habe als mit ihm. Daher kenne ich ihn als Gegner und einen starken, ruhigen Verteidiger. Wir haben uns schon ewig nicht mehr gehört, daher freue ich mich ihn hier in Salzburg wieder zu sehen. Ich habe auch viel Respekt für Taylor und denke, er ist eine super Persönlichkeit in der Kabine, der den jungen Spieler hier als gutes Vorbild voran geht.

Was können die jungen Spieler im Team von dir lernen?

Ich möchte für sie eine Stimme sein, die Antworten auf ihre Fragen hat. Ich weiß auch, dass es schwer ist als junger Spieler mit dem Trainer eine Verbindung aufzubauen und da ist es oft leichter, sich an einen erfahrenen Spieler zu halten. Das sehe ich als meine Rolle an und das macht mich stolz. In Bezug auf das Lernen, möchte ich den Spielern mit meinen Taten als Vorbild voran gehen. Zum Beispiel, wie ich mich auf das Training vorbereite, wie ich mich um den eigenen Körper kümmere oder wie man sich auf und abseits des Eises verhält. Ich glaube stark an Taten und denke, dass die Jungen davon profitieren können. Ob man es glaubt oder nicht, die Jungs beobachten einen ständig und dabei lernen sie. Aber wie gesagt, ich beantworte auch gerne jede Frage, weiß aber auch, dass die Burschen sich oft einmal nicht so recht fragen trauen. Mein Credo ist also: Taten über Worte.

Was sind deine Erwartungen von der bet-at-home ICE Hockey League?

Im Vorfeld habe ich mich mit Brandon Buck, mein alter Teamkamerad aus Nürnberg, ein wenig unterhalten. Er hat mir gesagt, dass die Liga ähnlich der DEL ist, aber natürlich auch in manchen Teilen unterschiedlich. Aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht recht was mich erwartet und ich werde einfach mein Spiel spielen, sobald der erste Puck auf das Eis gefallen ist.

Nächste Woche werden wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen – wie groß ist die Vorfreude?

Ich freue mich natürlich riesig. Vor allem freue ich mich, endlich alle Teamkameraden kennen zu lernen und hier in Salzburg beim Spiel aufzulaufen. Hoffentlich bald wieder mit Fans in der Eisarena, um dann auch die Fans kennen zu lernen und vor ihnen zu spielen.

Was war dein größter Erfolg oder dein emotionalster Moment in deiner bisherigen Karriere?

Das soll jetzt nicht zu sehr nach Klischee klingen, aber das war das wichtigste Tor, das ich jemals geschossen habe. Wir spielten bereits die dritte Overtime im NCAA-Turnier gegen die Cornell University und mir gelang der Siegtreffer, der uns den Einzug in das Turnier der ‚frozen four‘ brachte. Das war ein großartiger Moment für mich, aber genau so für mein Team, die University of Wisconsin. Ich bin in der Gegend aufgewachsen und somit machte das die ganze Sache noch spezieller. Das habe ich auch erst später realisiert und heute bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn das Video von dem Tor irgendwo auftaucht. Der NHL-Draft war natürlich auch sehr speziell, aber nach diesem wichtigen Tor erinnere ich mich noch genau, als mein Vater zu mir kam und vor Stolz bei der Umarmung Tränen in den Augen hatte.

Du spielst mit der Nummer 29 bei den Red Bulls – irgendein spezieller Bezug zu deiner Nummer?

Eigentlich steht dahinter keine große Geschichte und ich habe sie letztes Jahr in Nürnberg das erste Mal getragen. Aber tatsächlich war die 29 die erste Nummer die ich als kleiner Bub das erste Mal getragen habe. Ich wusste es nicht mehr, aber eines Tages schickte mir mein Vater ein Bild davon. Zusätzlich tragen die Nummer mittlerweile großartige Stürmer wie Leon Draisaitl, Patrick Laine oder Nathan McKinnon. Da hat die Nummer schon mehr offensive Bezug und das gefällt mir.

Presseaussendung EC Red Bull Salzburg

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Bild: Red Bull/GEPA Pictures