Ring Sports hat in den vergangenen Tagen rundherum um die ÖEHV-Präsidiumswahl intensiv recherchiert. Ein Ergebnis ist bereits klar, es ist Feuer am Dach vom österreichischen Eishockeyverband! Bereits vor der Wahl gab es einige Unklarheiten, zum Teil wurde sehr unprofessionell agiert. Aber lesen Sie selbst und machen Sie sich ihr eigenes Bild……

Grundsätzlich wurden an die Öffentlichkeit rund um die Präsidiumswahl nur folgende Details kommuniziert: Es gibt mit dem Team von Dr.Hartmann kurzfristig eine Gegenliste zu Gernot Mittendorfer, dem amtierenden ÖEHV-Präsidenten. Und anschließend das Endergebnis: 133 zu 121 Stimmen zu Gunsten von Hartmann. Doch was vor, während und nach der Generalversammlung passiert ist, hier gab es keine genauen Informationen für die Öffentlichkeit. Dementsprechend hat sich „Ring Sports“ mit verschiedenen Personen unterhalten, um Licht ins Dunkle zu bringen. Und hier kamen nun Details hervor, die uns dazu bewegt haben, in die Tiefe zu gehen.

Die Zeit vor der Wahl
Die Liste Hartmann wurde sehr kurzfristig gegründet. Hier hat man auch versucht, Matthias Trattnig mit ins Boot zu holen, der hat aber sofort abgesagt. Immer wieder wechselten die „Spitzenkandidaten“ der Gegenliste, teilweise wussten die Mitglieder selbst nicht, wer die Liste anführen wird. Schlussendlich hat man sich dann doch auf Hartmann geeinigt und das nur wenige Tage vor der Generalversammlung. Diese Vorgehensweise ist vielleicht zu hinterfragen, allerdings hatte das keine Auswirkungen auf die Wahl.

Hier sollen nun so objektiv wie nur möglich die Fakten präsentiert werden. Somit beginnen wir mit dem Einreichen der Kandidatenliste. Und wie genau hier der Ablauf ist, dass kann ein jeder in den Statuten nachlesen. Hier ist klar geregelt, dass 14 Tage vor der Wahl, in Schriftform, ein eigener Antrag eingebracht werden muss. Sprich eine Mail alleine, genügt nicht. Sondern es gibt einen offiziellen Antrag, der gehört von mindestens zwei zuständigen Personen unterschrieben und per Postweg an den ÖEHV geschickt. Der Poststempel gilt als Nachweis.

Für den ÖEHV und die Liste Gernot Mittendorfer hat dies der Oberösterreichische Eishockeyverband erledigt. Hier gab es, wie Ring Sports in Erfahrung bringen konnte, sogar drei Unterschriften. Dieser Antrag wurde über den Postweg, per Mail und per Fax an den ÖEHV geschickt. Bei der Liste Hartmann sah das bereits anders aus und hier ist wohl auch ein erster Knackpunkt, den sich das Schiedsgericht ansehen wird. Die Liste Hartmann hat sogar zwei Anläufe benötigt.

Zunächst kam eine Mail vom Kärntner Eishockeyverband. Absender? Herbert Hohenberger e.H. , allerdings ohne Unterschrift und nur per Mail. Somit war dieser Antrag nicht gültig. Der zweite Antrag kam dann vom Niederösterreichischen Eishockeyverband. Am Samstag lief die Frist ab, der Brief kam am Dienstag, allerdings noch im Zeitrahmen, da der Poststempel früher datiert war. Jedoch war der Antrag nur vom Präsidenten des Niederösterreichischen Eishockeyverbandes unterschrieben, die Unterschrift vom Schriftführer fehlte. Somit ist auch der 2.Antrag definitiv ungültig. Egal wie man es wendet, in den Statuten ist die Sachlage klar niedergeschrieben.

ÖEHV hat sich abgesichert
Das Team von Gernot Mittendorfer hatte einen Tag vor der Generalversammlung eine Präsidiumssitzung angesetzt und hier wurde nun auch der Fehler von der Gegenliste entdeckt. Es wurde auch beraten, wie man damit umgeht. Alle Mitglieder waren sich einig, dass es eine rechtlich, ordentliche Wahl geben muss und man diese auch rechtfertigen muss. Bereits vor der Präsidiumssitzung wurde aus diesem Grund an alle Vereine eine Mail mit dem Regulativ ausgesendet, damit niemand sagen kann, dass diverse Regeln nicht bekannt gegeben wurden. Das bestätigte uns auch ein „Insider“. Bezüglich der fehlenden Unterschrift wurde auch kurz überlegt, die Generalversammlung zu verschieben. Allerdings wäre das Team um Gernot Mittendorfer dann nicht mehr handlungsfähig gewesen, dass wurde vom Amt bestätigt. Somit hätte man zum Beispiel auch die Verhandlungen mit der EBEL nicht führen können. Der ÖEHV hat hier also nicht zu seinen Gunsten entschieden, sondern musste dementsprechende Handlungen setzen. Die Wahlliste von der Liste Hartmann ist laut Vereinsrecht nicht konform eingegangen. Ein Tag vor der Generalversammlung kam außerdem ein Brief vom Anwalt der Gegenseite, eigentlich dem Vertreter des KEHV, der nun aber für die Wiener Vereine eintrat. Warum? Das erklären wir im nächsten Absatz. Entscheidend ist hier, dass der Anwalt einen Tag (!!) vor der Generalversammlung noch ein Treffen haben wollte, nachdem Alexander Gruber mit dem Anwalt Kontakt aufgenommen hatte. Der Termin fand also am gleichen Tag der Generalversammlung statt und hier wurde dem Anwalt mitgeteilt, dass derzeit kein gültiger Wahlvorschlag vorliegt. Somit wusste die Liste Hartmann Bescheid. Der damalige ÖEHV hat sich in der Präsidiumssitzung dennoch dazu entschieden, die Wahl durchzuziehen. Man wollte vermeiden, dass es heisst, man hat Angst vor der Wahl. Allerdings hat Gernot Mittendorfer bei der Generalversammlung alle über den Ist-Stand informiert. Hier muss sich die Liste Mittendorfer vielleicht gefallen lassen, dass man zu „weich“ agierte. Grundsätzlich hätte man hier gleich durchgreifen müssen und sagen, die Gegenliste ist ungültig.

Wer hat eine Stimme für die Wahl?
Doch warum wollte sich der Anwalt der Liste Hartmann unbedingt mit Alexander Gruber treffen? Auch hier haben wir nachrecherchiert. Es ging einfach darum, welche Vereine stimmberechtigt sind und welche nicht. Wer hat wie viele Stimmen? Vereine, die ordentlich an den Ligen teilnehmen, für Transferkarten zahlen und sich an die Regeln halten, sind ordentliche Mitglieder und verfügen somit auch über ein Stimmrecht. Sollten Vereine aber Schulden haben oder sich nicht an die Transferkartenbestimmungen halten, dann gibt es kein Stimmrecht. Hier kam es sogar soweit, dass diverse Vereine direkt bei der Generalversammlung ihre Schulden beglichen, um doch noch stimmberechtigt zu sein. Man muss auch festhalten, dass jedes Jahr eine Liste von Geschäftsführer Hartl vorgelesen wird, welche Vereine als ordentliche Mitglieder oder als Schutzvereine (nicht stimmberechtigt) gelten. Oder welche Vereine sogar ausgeschlossen werden. Auch hier gab es Stimmen, dass sich das amtierende Präsidium Vorteile verschafft, dass war nach unserer Recherche aber nicht der Fall. Im Gegenteil. Der ÖEHV hat kurzfristig sogar drei Wiener Vereine ein Stimmrecht gegeben, obwohl diese die Liste Hartmann unterstützten. Eigentlich wären die Wiener Vereine nicht stimmberechtigt gewesen und waren als Schutzverein deklariert. Sie haben auch offensichtlich gegen die Bestimmungen der Statuten verstoßen, denn sie hatten mehr als 2 Transferkartenspieler. Somit hätte man sie nicht zulassen müssen.

Anfechtung vom Oberösterreichischen Eishockeyverband – Heftiger Gegenwind der Vereine
Somit kam es bei der Generalversammlung zur Wahl. Hier ist auch festzuhalten, dass die Wahlkommission rund um Werner Alfare alles richtig durchgeführt hat. Am Ende gab es 133 zu 121 Stimmen. Und jetzt kommt, rechtlich gesehen, ein weiterer Punkt, den sich das Schiedsgericht ansehen muss. Laut Statuten muss der neue Präsident das Amt offiziell annehmen und auch seine Mitglieder befragen, ob sie ihr Amt annehmen. Anschließend wäre noch der Punkt „Allfälliges“ zu behandeln gewesen. Auch diese Punkte kann man nachlesen, sie stehen aber nicht im Protokoll, da diese Punkte von der Liste Hartmann nicht durchgeführt wurde. Wer sich allerdings noch gemeldet hat, war der Oberösterreichische Eishockeyverband. Sie haben zu Protokoll gegeben, dass man die Wahl anfechten wird. Das wurde protokolliert und die Anfechtung wurde auch schriftlich eingebracht. Bevor diese Anfechtung beim ÖEHV ankam, haben sich bereits viele Vereine schriftlich an die Anfechtung des Oberösterreichischen Verbands angehängt. Somit besteht der Einspruch nicht nur mehr aus dem Landesverband, sondern auch aus mindestens 10 Vereinen (auch Bundesliga und AlpsHL Klubs sind mit dabei). Viele Klubs haben bestätigt, dass ihr jeweiliger Antrag in den nächsten Tagen abgeschickt wird, somit gibt es einen heftigen Gegenwind. Die Wahlanfechtung wird nun an das Schiedsgericht, dass aus einem Richter und zwei Anwälten besteht, weitergegeben. Bereits in der kommenden Woche wird eine Entscheidung erwartet.

Welche Möglichkeiten hat das Schiedsgericht
Das Schiedsgericht selbst hat nun mehrere Möglichkeiten. Zunächst kann man die Wahl bestätigen, dann wäre Dr.Hartmann der neue ÖEHV-Präsident. Man kann die Wahl auch wiederholen, allerdings ohne die Liste Hartmann, sollte das Schiedsgericht dem Einspruch recht geben. Es ist aber auch möglich, dass beide Listen noch einmal antreten. Sollte gegen die Hartmann-Liste entschieden werden und nur mehr die Liste Mittendorfer zur Verfügung stehen, wird auch hier noch einmal gewählt. Es steht dann nur mehr die Liste Mittendorfer zur Auswahl. Sollte diese jedoch die Mehrheit verfehlen, dann kommt es noch zu einer außerordentlichen Generalversammlung, wo man wieder neue Wahllisten einbringen kann.

Zu hinterfragen sind hier übrigens auch die Stimmverteilungen. Ein Bundesligaklub wie Red Bull Salzburg (mit Akademie etc.) hat 5 Stimmen, somit gleich viele wie zum Beispiel ein Damenverein, der auch nicht so viel leistet wie zum Beispiel ein Bundesligaklub. Auch ein Landesverband, der viel zu regeln hat, bekommt nur 5 Stimmen. Hier müsste man sich in Zukunft wohl eine andere Regelung überlegen, denn diese ist so nicht wirklich gerecht aufgeteilt. Das Schiedsgericht muss außerdem kontrollieren, ob alle abgegeben Stimmen auch rechtens waren. Warum? Vertreter sind auch berechtigt, mit einer Vollmacht die Stimmen eines Klubs zu verwenden. Öffentlich wurde zum Beispiel, dass Martin Kogler (Liste Hartmann) die Vollmacht der Black Wings bekam. Allerdings darf eine Person höchstens zwei Vollmachten besitzen, keine 10 ….

Wie bereits erwähnt ist nun das Schiedsgericht am Zug und wenn man rein nach den gesetzlichen Fakten geht, hat die Wahlanfechtung absolut ihre Berechtigung.

Was ist seit letztem Samstag passiert?
Solange die Wahl nicht bestätigt ist, ist derzeit wohl das alte Präsidium zuständig. Allerdings ist man nicht handlungsfähig. Selbiges sollte auch für die Liste Hartmann gelten. Diese hat laut unseren Infos eine konstituierende Sitzung abgehalten. Hier wollte man auch neue Vizepräsidenten präsentieren, passiert ist nichts. Die einzige Person, die derzeit im ÖEHV zeichnungsberechtigt wäre, ist Geschäftsführer Hartl. Hartl hatte am Freitag seinen letzten Arbeitstag vor seinem anstehenden Urlaub. Anscheinend hat Dr. Hartmann seinem Anwalt (er soll eine Vertretungsbefugnis für den neuen ÖEHV haben) eine Vollmacht ausgestellt und dieser eine Vollmacht dem Wiener Eishockeyverbandspräsidenten Andreas Ösze. Und Hartl wurde anschließend aufgrund dieser Vollmacht gekündigt. Doch aus welchem Grund? Und ist diese Vorgehensweise rechtens? Hartl hatte sich selbst bei einem Anwalt erkundigt, wie er nun bezüglich der Anfechtung vorgehen muss. Hier gab es die Information, dass er keine Unterlagen oder sonstige interne Informationen rausgeben darf, weil eine Anfechtung am Laufen ist. Daraufhin wurde er gekündigt. Die Liste Hartmann sollte aber eigentlich eben nicht handlungsfähig sein, die einzige Person die derzeit eine Vollmacht ausstellen könnte, ist ausgerechnet Hartl selbst und dieser wird sich nicht selbst kündigen.

Eishockeysport leidet
Viele Vereine im Hintergrund stellen sich gerade auf und haben großes Bedenken geäußert. Zum Beispiel haben laut diversen Klubs die Personen im neuen Präsidium kaum Erfahrung und sie müssten nun nicht nur den Vertrag mit der ICE Hockey League mit Kalibern wie Präsident Jochen Pildner-Steinburg oder Salzburgs Dimter neu verhandeln , sondern den ÖEHV oder die AlpsHL auch international vertreten. Spielpläne für den Nachwuchs können aktuell nicht erstellt werden. Im Büro wissen die Mitarbeiter nicht wirklich, wie sie mit der Situation umgehen sollen, wie uns ein „Insider“ bestätigt. Es sind derzeit auf alle Fälle sehr chaotische Vorgänge. Nun kann man nur einmal abwarten, welche Entscheidung das Schiedsgericht im Endeffekt trifft.

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